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Das Königsmoor

Das "Königsmoor", das außerhalb des Dorfes und in externen Publikationen zumeist als "Hasenmoor" bezeichnet wird, hat 2007 den Status eines so genannten FFH-Gebietes erhalten. Als "Fauna-Flora-Habitat" anerkannt und als ausgewiesenes Naturschutzgebiet im Rahmen des "NATURA 2000"-Verbundes gilt dieser vielfältige Moorkomplex mit seinem Regenerationspotenzial – im Sinne einer gemeinschaftlichen Bedeutung – als besonders schutzwürdig.

 

"Das 275 Hektar große FFH-Gebiet Hasenmoor ist der Rest eines früher über 600 Hektar großen Hochmoores. Torfabbau hat das Gebiet in zwei unterschiedliche Teilbereiche gegliedert. Der Nordosten wurde von 1921 bis in die 1970er Jahre hinein industriell abgebaut. Der kleinere Teil im Südwesten ist durch bäuerlichen Handtorfstich geprägt.

Der Kreis Segeberg führt zusammen mit dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume seit Jahren Maßnahmen zur Wiederbelebung des Moores durch. Ziel ist, die Lebensbedingungen für die moortypischen Pflanzen und Tiere wieder herzustellen. Der Bau von Torfwällen staute ausgedehnte Gewässer im Zentrum des Gebiets auf. Die Beweidung mit Heidschnucken drängte das Pfeifengras zurück. 2007 im Südwesten begonnene Renaturierungsmaßnahmen wurden 2010 mit großflächigem Wassereinstau fortgesetzt. Der für das Gebiet aufgestellte Managementplan umfasst weitere Maßnahmen, die den Erhalt und die Förderung der typischen Fauna und Flora gewährleisten.

 

Pflanzen und Tiere des Moores

 

Dank der umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen ist das Hasenmoor heute ein artenreicher Lebensraum. In Bereichen, in denen nährstoffarmes Wasser eingestaut werden konnte, beginnen wieder Torfmoose zu wachsen. Auch Wollgräser und Weißes Schnabelried breiten sich hier wieder aus. Die von Glocken- und Besenheide geprägten Moorheiden im nordöstlichen Teil zeichnen sich durch hohe Anteile an hochmoortypischen Torfmoosen sowie Rosmarinheide und Moosbeere aus.

Einzelne Moorteile sind bis auf den mineralischen Untergrund abgetorft oder liegen so tief, dass nährstoffreiches Wasser aus der Umgebung einströmt. Diese Flächen entwickeln sich zum Niedermoor, in dem sich seltene Pflanzen wie Wasserschlauch und Wassernabel verbreiten. In den Sumpfwäldern im Südwesten wächst der seltene Kammfarn.

Im Hasenmoor leben die unterschiedlichsten Tierarten. Für viele seltene und gefährdete Arten ist das Hasenmoor heute ein wichtiger Rückzugsraum in einer immer intensiver genutzten Umgebung. Besonders erwähnenswert sind die Vorkommen der Schlingnatter …, die sich ebenso wie die Kreuzotter auf den trockenen Torfdämmen wohlfühlt.

 

Geschichte des Torfabbaus

 

Nach dem 1. Weltkrieg hatte das Deutsche Reich Kriegsentschädigungen (Reparationen) unter anderem in Form von Kohle und Koks zu leisten. Das Elektrizitätswerk Neumünster benötigte daher einen geeigneten Ausweichbrennstoff. Die Wahl fiel auf Torf. Mit dem Hasenmoor fand sich ein Abbaugebiet in der Umgebung.

1919 begann die Umsetzung des Vorhabens. Zuerst wurden Entwässerungsgräben angelegt und Torfbagger bestellt. Für den Abtransport wurde eine 9 Kilometer lange Feldbahn errichtet, die den Torf bis zum Umladeplatz bei Großenaspe transportieren sollte [dazu später mehr, Anm. d. Betr.]. Der zwei Jahre später begonnene Abbau wurde bis Ende der 1960er Jahre fortgesetzt. Bis dahin waren etwa 800.000 Tonnen Brenntorf abgebaut.

Die Feldbahn hatte noch länger Bestand. Bis zu ihrer endgültigen Stilllegung 1973 diente sie unter anderem der Unterstützung der Feuerwehr bei der Bekämpfung der vielen, schwer zu löschenden Moorbrände. Die häufig auftretenden Brände waren der Grund dafür, dass 1976 erste Maßnahmen zur Wiedervernässung der Abbauflächen eingeleitet wurden. Seit dem Ende des Torfabbaus sind auf den ehemals offenen, unbewachsenen Moorflächen Birken aufgewachsen und Pfeifengras hat sich ausgebreitet. In Folge der inzwischen sehr umfangreichen Vernässungsmaßnahmen wird sich das Moor künftig wieder naturnah entwickeln."

 

(Quelle: "FFH-Gebiet Hasenmoor" (Faltblatt) des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein, Flintbek o.J.)

 

Mehr zur Tier- und Pflanzenwelt finden Sie neben allgemeinen Informationen zur geographischen Lage, zum Aussichtsturm und zu Wanderwegen im zuvor als Quelle angegebenen Faltblatt! 

 

Dem oben bereits erwähnten industriellen Abbau widmet sich im Weiteren eine detaillierte Abhandlung über die Torfbahn Großenaspe – Hasenmoor, die uns Jürgen Kallinich aus Bad Bramstedt freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Den Handtorfstich durch ortsansässige Bauern beschreibt daran anschließend ein Auszug aus der Hasenmoorer Chronik.

 

Der industrielle Abbau



 

      Zum Öffnen des Dokuments bitte das Bild anklicken!

 

Der Handtorfstich

 

"Einige Hasenmoorer hatten schon viele Jahre eigene Moorflächen im Königsmoor, im Fuhlenrüer Moor, auf dem Wolfsberg und auch im Hartenholmer Moor, sie gruben ihren Brenntorf mit der Hand.

Anfang Mai jeden Jahres ging man ins Moor zum Torfgraben, meistens mit der ganzen Familie. Damit möglichst viel geschafft werden konnte, wurde Verpflegung mitgenommen und man blieb den ganzen Tag im Moor. Für die Mittags- und Vesperpausen [hier wahrscheinl. Zwischenmahlzeiten, Anm. d. Betr.] wurde ein Gerüst gebaut, bespannt mit alten Säcken und mit Heide bedeckt, zum Schutz gegen Sonne und Regen.

Die Arbeit begann mit dem Heidemähen auf den Plätzen, wo der frische Torf zum Trocknen abgesetzt werden sollte. Die 'Torfbank' wurde für den Torfstich vorbereitet, der Abraum kam in die bereits abgegrabene Fläche und wurde eingeebnet. Die 'Bank' wurde gerade geschnitten, vor der Bank musste das Wasser abgestaut und mit Eimern abgefüllt werden. Mit dem Klotzenspaten (Klotzenascher) oder bei einem anderen Verfahren, mit Torfmesser und Torfspaten, wurden dann die Soden gestochen und auf eine Schiebkarre oder eine pferdebespannte Torfschleppe abgelegt. Zum Trockenplatz gebracht, wurde der Torf in kleinen Stapeln zu acht bis zehn Soden abgesetzt. Die Tagesleistung eines Mannes lag, je nach Moorbeschaffenheit, bei 4000 Soden. Nach Bedarf und Wetterlage dauerte diese Arbeit drei bis vier Wochen. Ende Juni, Anfang Juli wurde der Torf dann geringelt, d.h. in runde größere Stapel umgesetzt, dabei kamen die noch nassen Soden nach oben. Nach weiteren vier bis sechs Wochen wurde der Torf dann in Mulden gesammelt, zusammengetragen und in größere Mieten [Haufwerke, Anm. d. Betr.] gestapelt, aus denen er im Spätherbst, wenn die Erntezeit vorüber war, abgefahren wurde. Diese sehr aufwändige Art der Brenntorfgewinnung gab es bis in die letzten fünfziger Jahre."

 

(Quelle: "Hasenmoor. Unser Dorf" (Chronik), Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, 2000)

 

Inzwischen ist es ruhig geworden im Moor. Die Zeit der harten Arbeit ist lange vorbei. Maschinen, die die beschauliche Natur stören könnten, gibt es hier nicht mehr. Der Mensch greift heute nur noch selten ein. Und wenn, dann allenfalls mit Bedacht, um der Natur zu helfen, zu sich selbst zurückzufinden: Das Königsmoor – ein interessanter Ort, ein Biotop und ein Naturreservat.

 

Einen Eindruck davon, wie das Königsmoor heute aussieht, vermittelt ein wunderbares Kurzvideo von "BARK films" (September 2013): Klick!

 

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns bei der Ergänzung dieser Themenrubrik durch Informationen, Texte oder Fotos unterstützen könnten! Vielen Dank!